Die ganz einfache Lösung
Es ist schon interessant, wie einige Länder, die sonst so auf Ihre durch und durch demokratische Traditionen pochen, Ihren eigenen Niedergang zelebrieren.
Eigentlich nimmt man es ohne größeres Erstaunen zur Kenntnis, dass ein Medienzar die Regierung in Großbritannien fast wie Marionetten geführt hat. Rechtsstaat, Schutz der Privatsphäre, Rücksichtnahme sind für diese Journaille offensichtlich Begriffe, die nur dann zur Anwendung kommen dürfen, wenn es denen bei ihrem schmutzigen Geschäft hilft.
Jetzt kann man nach Herzenslaune auf Herrn Murdock einprügeln. Aber das läuft aus meiner Sicht komplett am Problem vorbei, hilft sogar dabei, es zu verschleiern.
Das eigentliche Problem ist nämlich aus meiner Sicht, dass da ein Land – Mutterland der Demokratie – auf den Hund kommt. Man fand es dort richtig, eine Klassengesellschaft entstehen zu lassen, wie wir es hier nur noch aus Erzählungen kennen. Man fand es richtig, Bildungschancen nach Einkommen zu verteilen. Man fand es richtig, Gesundheitsvorsorge und damit auch Überlebenschancen nach Einkommen zu verteilen. Man fand viele Dinge richtig, die Großbritannien immer weiter zurückgeworfen haben zugunsten weniger, die daraus ihren Vorteil ziehen.
Man fand es auch richtig – und das ist eigentliche am schlimmsten – sich vollständig von einer Finanzindustrie abhängig zu machen, die man jetzt aufgrund dieser Abhängigkeit nicht mehr in die dringend erforderlichen Schranken verweisen kann. Da hat sich ein Land in die Hände von Interessenvertretern gegeben. Demokratische Willensbildung wurde offensichtlich ein großes Stück weit zugunsten dieser Interessenpolitik vernichtet.
Aber in einem weiteren angelsächsischen Land sieht es nicht viel besser aus. In den USA ringen Republikaner und Demokraten um die Zahlungsfähigkeit des Landes.
Jetzt tut alle Welt so, als ob das Anheben der Schuldenobergrenze das Problem lösen würde. Tut es nicht! Bei der grotesken Verschuldung kann ich mir noch nicht mal mehr vorstellen, dass Sparen hilft. Das zeigt auch ein Blick nach Griechenland. Auch dort haben Steuern für einige bestenfalls den Charakter von unverbindlichen Anfragen gehabt.
Das Grundproblem ist vergleichbar mit dem in Großbritannien. Auch in den USA hat es eine deutliche Entwicklung in Richtung Dienstleistung und insbesondere Finanzmarkt gegeben. Die Idee, dass Dienstleistungen erst mit dem bezahlt werden können, was mit Produktion verdient wurde, kommt jetzt erst dem ein oder anderen in den Sinn. Was wurde Herr Greenspan für seine Finanzpolitik gefeiert. Heute sieht er selber, welch große Fehler er zu verantworten hat. Sein größter Fehler ist aus meiner Sicht gewesen, dass er einem der schlimmsten Präsidenten in der amerikanischen Geschichte nicht Einhalt geboten hat. Was Präsident Bush jr. allein mit seinem gegen jedes Völkerrecht verstoßendem Krieg im Irak angerichtet hat, ist weder hinsichtlich des politischen noch des finanziellen Schadens auf lange Jahre wieder zu reparieren.
Und wenn dann ein Land erst so richtig auf den Hund gekommen ist, dauert es auch nicht lange, bis Fundamentalisten, die letztendlich nur für Industrieimperien instrumentalisieren lassen, mit den einfachen Lösungen, kommen. Diese Fundamentalisten heißen überall anders. In den USA ist es die Tea-Party-Bewegung. Die wollen den Staat am liebsten ganz abschaffen. Dass sie damit auch die Zivilisation abschaffen, verstehen die nicht.
Diese Tea-Party hält die Regierung von Präsident Obama für von Kommunisten durchsetzt. Dem setzt diese Tea-Party die Vision einer Anarchie entgegen, denn nichts anderes entsteht, wenn es keinen Staat mehr gibt.
Aber die Lösungen sind so schön einfach. Das kennen wir aus der Geschichte und das geht auch immer gleich aus.
Filed under: Allgemein on Juli 29th, 2011 | No Comments »